Vor zirka zwei Jahren habe ich mich bereits schriftlich an die Gemeindevertretung (incl. Vorstand) gewendet:

Lassen wir uns mal Tacheles reden. Unsere Gemeinde ist mehr tot als lebendig. Die Statistik der ZWST illustriert es mehr als deutlich.

Wäre es nicht angemessen, mit den Mitgliedern über die Erwartungshaltung zu sprechen. z.B. gibt es sehr viele Gemeindemitglieder, die nur eins von der Gemeinde wünschen, nämlich ein Platz auf dem jüdischen Friedhof. Alle anderen Aktivitäten (religiöse, kulturelle oder politische) sind für diese Personen uninteressant.

Wir müssen es letztendlich schaffen, die Gemeinde an die realen Bedürfnisse der Mitglieder anzupassen. Besonders wenn wir die Gemeinde aus diesem Blickwinkel betrachten: "der Jude ist nicht derjenige, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde, sondern derjenige der jüdischen Enkelkinder hat".

Leider kam es nie eine Antwort…

 

Ich frage mich immer wieder, wie kann es sein, dass ich die Situation etwas anders als viele Mitglieder der Gemeindevertretung wahrnehme. Weshalb wird nie eine einfache Frage gestellt: es gibt in der Gemeinde so viele ältere Menschen, aber wo sind deren Kinder und Enkelkinder?

Es gibt nur zwei artige Antworten auf diese Frage:

1.    Die Kinder und die Enkelkinder waren in der Gemeinde, sind aber ausgestreuten. Ein Austritt aus der Gemeinde kann zwei Grunde haben:
    - Die Mitglieder sind zu geizig, um die Kirchensteuer zu zahlen. Je nach Beruf und Position kann die Summe sehr schnell  mehrere hundert Euro jährlich übersteigen.
    - Die Mitglieder sehen sich nicht in der Gemeinde vertreten und fühlen sich da nicht willkommen.

2. Die zweite Gruppe, die deutlich in der Überzahl ist, ist diejenige, die nach halachischen Gesetzen keine Gemeindemitglieder sein dürfen.

 

Quelle: http://zwst.org/de/service/mitgliederstatistik/

 

Mitglieder zwischen 0 und 18    = 407

Mitglieder zwischen 0 und 18     = 387

Mitglieder zwischen 0 und 18    = 367

 

Altersgliederung am 31.12.2016

 

Schauen Sie sich die sinkende Kinderzahl mal an! Die Anzahl der Personen 80+ übersteigt die Anzahl der Kinder unter 3 um das Zehnfache.

In zehn Jahre haben wir weniger als 3000 Gemeindemitglieder. Aber auch diese Zahl ist von der allgemeinen politischen Lage abhängig. Dies hat eine direkte Auswirkung auf die staatliche finanzielle Unterstützung. Man muss schon heute im Voraus planen, wo wir unsere Aktivitäten (Personal) reduzieren können. Die beiden Zentren in Chorweiler und Porz werden höchstwahrscheinlich in zehn Jahren schon Geschichte sein.

Die Gesellschaft in Deutschland ändert sich rapide. Ich konnte mir im Jahr 2014 nicht vorstellen, dass eine semitische Sprache innerhalb eines Jahres in Top 5 schafft. Keiner kann heute vorhersagen, welche Bevölkerungsgruppen in zehn Jahre hervorgehoben werden und welche völlig ignoriert. Aber die Tendenzen darf man nicht völlig ignorieren und die sind nicht optimistisch. Dies könnte ein Grund dafür sein - Lesen. Es werden auch die Prioritäten anders gesetzt. Wird die Gemeinde in der Lage sein, sowohl die Synagoge an der Roonstr., als auch das Zentrum an der Ottostr. zu finanzieren? Was wird zuerst verkauft?

Ich konnte in diesem Jahr (2017) die Wähler beobachten, die mit den Bussen aus den verschiedenen Stadtteilen abgeholt wurden und in die Synagoge zur Stimmabgabe befördert. Die Wähler waren mit der Altersgruppe 70+ vertreten (es gab ein Paar Ausnahmen). Die intensive Wahlpropaganda in der Gemeinde ist hauptsächlich auf diese die Wählergruppe fokussiert.  Die Wähler von gestern, beeinflussen das Leben der Wähler von morgen.

 

Reduktion der Mitgliederzahl zwischen 2006 bis 2016

 

 

 

Aus demographischer Sicht ist unsere Gemeinde schon gestorben! In der Periode zwischen Januar und Mai 2017 sind mittlerweile 35 Personen verstorben. So sind wir wahrscheinlich unter 4000 Mitglieder.

 

Fazit

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland müssen mittlerweile anfangen um die Mitglieder zu kämpfen, bzw. diese abzuwerben. Da dies die einzige Möglichkeit wäre, in der näheren Zukunft länger zu existieren.

Nehmen wir mal als ein Beispiel zwei Gemeinden, die geografisch sehr nah zu einander liegen: Köln und Düsseldorf.  Die Synagogen von beiden sind zirka 45 km voneinander entfernt.

Die Düsseldorfer Gemeinde hat vergleichsweise zu Köln ein Alleinstellungsmerkmal, nämlich ein Jüdisches Gymnasium. Wenn man als eine Gemeinde gewisse Vorteile gegenüber den anderen hat, dann sollte man diese auch nutzen. Genau das vermissen viele jüdische Familien in Köln.

Die Kölner Gemeinde hat eine Handvoll von Familien, für die, die jüdische Erziehung der Kinder eine existenzielle Bedeutung hat. Die Düsseldorfer Gemeinde muss diese Mitglieder abwerben und den Umzug solcher Familien nach Düsseldorf erleichtern, indem denen bei den Wohnungs- und Arbeitssuchen geholfen wird.

Vertreten Sie die andere Ansichten? Teilen Sie mir Ihre Meinung mit!

Ein interessanter Artikel zum Thema Mitgliederstatistik überrascht nicht