Während der letzten Wahlen im Jahr 2017 wurde absolut unerwartet zu einem der angekündigten Ziele gleich mehrerer Kandidaten die Gründung eines jüdischen Gymnasiums. Acht Kandidaten wurden dabei zum Gemeinderat erwählt, wobei vier von ihnen bereits in der vergangenen Legislaturperiode als Mitglieder des Vorstands bestanden. Dies bedeutet also, dass sie die Personen gewesen waren, die über reale und effektive Möglichkeiten verfügt hatten, um ein Gymnasium zu gründen. Bettina Levy lässt sich als das einzige Mitglied des Rates nennen, das die Idee der Gründung eines jüdischen Gymnasiums in Köln kontinuierlich und seit langer Zeit vorantreibt. Dennoch scheint sie keine faktische Unterstützung zu genießen.

Es ist offensichtlich, dass eine jüdische Schule von der ersten bis zur Abschlussklasse als eines der Schlüsselfaktoren in der Frage der Aufrechterhaltung des Judentums in der Diaspora gilt. Dabei ist die Rede nicht lediglich von der Erziehung der Kinder im Rahmen der jüdischen Tradition, sondern vielmehr von den denkbaren weitergehenden Beziehungen, die im reifen Alter zur Gründung vollwertiger Familien führen könnten. Nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern nähmen dank des Gymnasiums am Gemeindeleben aktiv teil. Denn in der bereits bestehenden Grundschule wird die Grundlage geschafft, die in der weiterführenden jüdischen Schule weiterentwickelt werden könnte und sollte.

Doch warum blieb diese ausgesprochen essentielle und förderliche für die Gemeinde Idee über Jahre hinweg unbeachtet? Nachdem die jüdische Grundschule vor zehn Jahren gegründet worden war, wurde an ihre logische Fortsetzung verhältnismäßig spät gedacht. Warum waren in den vier vergangenen Jahren diesbezüglich keine bemerkenswerten Veränderungen geschehen? Unsere Gemeinde verlöre keine Rabbiner, die ihren Kindern eine jüdische Erziehung geben wollten; sie verlöre keine Familien, für die eine jüdische Erziehung als ein gewichtiger Faktor in der Kindeserziehung gilt. Ein weiteres wesentliches Argument für die Gründung eines jüdischen Gymnasiums ist, dass diese Institution unsere Gemeinde attraktiver machen würde. Doch all dies geschah bisher nicht und nur die Zeit wird zeigen, ob ein Gymnasium jemals gegründet werden wird.

Der Gemeindevorstand scheint sich vielmehr um die bereits bestehenden Gemeindezentren zu kümmern, denn ausgerechnet ihre treuen Besucher tragen den erforderlichen Stimmen bei, die bei den nächsten Wahlen für den erneuten Sieg sorgen. Das Angebot, das von den Gemeinden bereitgestellt wird, richtet sich an die nicht berufstätigen Menschen, da alle regelmäßigen Veranstaltungen zu der regulären Arbeitszeit stattfinden und dementsprechend für die arbeitstätigen Personen nicht verfügbar sind. Daraus lässt sich schließen, dass die Gemeindezentren hauptsächlich von den Personen der Alterskategorie 60+ besucht werden. Es heißt nicht, dass die Gemeindezentren sinn- und zwecklos sind, allerdings gehört die Zukunft nicht den Senioren, sondern den Kindergarten- und Schulkindern etc.

Die Zukunft gehört nicht denjenigen, die gestern gelebt hatten, sondern denjenigen, die morgen leben werden!

„Der Politiker denkt an die Wahlen, der Staatsmann – an die folgenden Generationen“, sagte einst D. Clark. Nun stellt sich die Frage, ob der Gemeindevorstand an die folgenden Generationen denkt? Daran zweifele ich. Sind diejenigen, die seit dreißig Jahren im Gemeinderat ihre Plätze einnehmen, um die erneute Wiederwahl bekümmert? Absolut. Eben für den sicheren Sieg bei den nächsten Wahlen sind solche Zentren nützlich, in denen bei gedecktem Tisch mit den Senioren geplaudert und ihrer Unterstützung gesichert werden kann. Wenn man das bekannte Sprichwort paraphrasiert, lässt sich sagen: „Wer den sowjetischen Wähler füttert, für denjenigen gibt er letztendlich seine Stimme.“ Eine offensichtliche Propaganda.

Propagandablatt

Nun lassen Sie uns dem Inhalt des Gemeindeblattes wenden. Was sehen wir auf seinen Seiten? Dies sind die Bilder des Gemeinderates und die Berichterstattung seiner Erfolge, die Feste im Kindergarten, die Informationen über die bevorstehenden kulturellen und religiösen Veranstaltungen, die stattgefundenen Veranstaltungen in Chorweiler und Porz und die unverändert grauen Köpfe ihrer Besucher. Übrigens, Sie wissen nicht zufällig, wo ihre Kinder und Enkelkinder ausbleiben? Denn sie haben sie…

Konnten Sie jemals kritische Bemerkungen über das Gemeindeleben lesen? Bekamen Sie Leserbriefe mit ihrer ehrlichen Meinung zu Gesicht? Nein, auch keine Nachrufe… Lasen Sie vielleicht informative Berichte über das inoffizielle Leben der Gemeinde? Nebenbei bemerkt, wussten Sie, dass unsere Gemeinde über ganze zwölf Kommissionen verfügt und wie oft sie sich versammeln? Und versammeln sie sich denn überhaupt? Womit beschäftigen sich die einzelnen Kommissionen; über welche grundlegenden Fragen, die sich auf die Gemeindemitglieder beziehen, diskutieren sie und welche bedeutenden Entscheidungen treffen? Was geschieht bei den gewichtigen Versammlungen des Gemeinderates? Viele Mitglieder würde es wahrhaftig interessieren, wie die lebenswichtigen Fragen diskutiert und die Entscheidungen darüber gefällt werden. Warum wird darüber nicht informiert?

Das Gemeindeblatt liefert Bilder eines vollwertigen und glücklichen Lebens, an dessen Existenz die Leser bereitwillig und genüsslich glauben. Es ist beruhigend zu denken, dass die Gemeinde sich stets dynamisch weiterentwickelt, sie lebt! Ähnliche Illusionen sollen auch die Hauptsponsoren der Gemeinde, nämlich die deutschen Behörden aller Art, abkaufen. Denn wenn die gedruckte Ausgabe die traurige Wirklichkeit durch das illusorische Leben ersetzt, wird zweifelsohne von einer Propaganda gesprochen!

Vermutlich wird es Meinungen geben, die mit mir nicht einverstanden sind. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass die klar denkenden Gemeindemitglieder gewiss meinen Standpunkt teilen werden.
Machen Sie sich bitte Gedanken zu dem Gelesenen! Sind wir denn keiner Veränderungen wert?