An welches Gymnasium soll man sein Kind nach der Grundschule schicken? Genau diese Frage beschäftigt alle Eltern der Viertklässler im Laufe mehrerer Monat.

Im laufenden Jahr 2018 stellte die Stadt Köln eine Woche (vom 26.02.2018 bis zum 2.03.2018) für die Anmeldung an den weiterführenden Schulen zur Verfügung. Das Platzvergabesystem ermöglicht eine Wahl von gleichzeitig zwei Schulen, die erste und die zweite Wahl.

Wie man sich vorstellen kann, ist die Wahl der richtigen Schule ein langer Prozess, der sich über Monate hinwegziehen kann. Dabei besteht die Möglichkeit der Teilnahme an Probestunden beim Besuch der jeweiligen Schule am Tag der offenen Tür. Man verbringt Stunden auf der Suche und anschließenden Gesprächen mit den Eltern der Wunschgymnasien. Und wenn die Entscheidung gefallen ist, füllen die Eltern der zukünftigen Gymnasiasten die Aufnahmeformulare und vereinbaren den Termin für die Einreichung der nötigen Dokumente, aber auch den Termin für das Vorstellungsgespräch mit dem Schüler, wenn die Schule dies voraussetzt. Die erfolgreiche Wahl des Gymnasium bestimmt (ungelogen) die Zukunft.

Am 27.02.2018 erhielten die Eltern der Viertklässler der Moriah-Lauder-Schule einen Brief vom Vorstand der Gemeinde. Wie der Leser sich vorstellen kann, reichte der Großteil der Eltern bereits die Anmeldeformulare bei den weiterführenden Schulen ein.

„Größeres erreicht man mit vielen kleinen Schritten“ hieß es zu Beginn des Briefes. Der Gemeindevorstand informierte darüber, dass ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Gründung eines jüdischen Gymnasiums getan war. Darunter verstand man die Kooperation mit einem der Gymnasien der Stadt Köln.

In seinem Brief erklärte der Vorstand, dass mit der Aufnahme in die besagte Schule, es möglich sei, das Judentum innerhalb ihrer Mauern zu studieren, aber auch der Schulbus und das koschere Essen. Dabei enthielt der Brief eine kleine, jedoch sehr kritische Anmerkung. Nämlich, dass die SQK nicht garantieren könne, dass Ihr Kind angenommen werden würde. Es setzte fort: „Nach erfolgreicher Aufnahme werden wir Sie zeitnah über die Modalitäten informieren.“

Es wäre nicht korrekt die Tatsache zu verschweigen, dass der Vorstand sich darüber im Klaren war, dass der Brief zu spät kam, um die Entscheidung der Eltern über die Schulwahl zu beeinflussen. Man könnte annehmen, dass der Brief über die Kooperation tatsächlich sehr spät erhalten worden war. Dennoch finden solche Gespräche nicht an einem Tag statt und man hätte die Eltern über die eventuelle Möglichkeit im Voraus informieren können.

Beim Großteil der Eltern rief der Brief vielmehr die Unmut und Enttäuschung hervor, als positive Emotionen. Unbestreitbar bleibt der Fakt, dass viele Eltern sich sehr darüber freuen würden, wenn die warmen, freundschaftlichen und fast familiären Beziehungen unter den Kindern aus der Grundschule auch in der weiterführenden Schule gepflegt werden könnten. Manche Eltern der Viertklässler folgten dem Angebot des Gemeindevorstandes und zogen die bereits eingereichten Anmeldeunterlagen zurück*, und reichten diese bei dem besagten Gymnasium ein. Darunter fielen sowohl diejenigen, die an der Schule aufgenommen wurden, als auch diejenigen, die leider eine Absage erteilt bekamen. (* Anmeldeunterlagen von drei Kindern wurden eingereicht, von denen eines abgelehnt wurde)

Und nun zum Anlass zur Verfassung dieses Briefes.

In der zweiten Aprilhälfte bekamen die Angemeldeten ihre lang ersehnten Antworten. Man könnte vermuten, dass es an der Zeit war, dass der Gemeindevorstand die betroffenen Eltern auf die erwähnten Modalitäten direkt ansprechen würde, nachdem nun die Ergebnisse erhalten worden waren. Falls der Leser sich fragt, woher der Vorstand die Namen der Schüler mit einer positiven Antwort wusste, kann ich mehrere Varianten zur Auswahl anbieten:

  1. Das Gymnasium teilte diese der Gemeinde im Rahmen der Kooperation mit;
  2. Die Gemeinde erbat die Liste beim Gymnasium;
  3. Die Gemeinde wandte sich an die Eltern mit einem wiederholten Brief, in dem es um die Ergebnisse bat, mit dem Hinweis, dass die Informationen wegen der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nicht direkt beim Gymnasium angefordert werden konnten (diese Begründung ist unwahrscheinlich, da das neue Gesetz erst ab dem 25.05.2018 rechtskräftig wurde);
  4. Es wurde Gebrauch von persönlichen Kontakten gemacht.

Doch leider setzte sich der Vorstand mit den Eltern nicht in Verbindung. Die Mitglieder des Vorstandes erschienen auch nicht zu der Verabschiedung der Viertklässler der Gemeindegrundschule. Obwohl der oben dargestellte Brief sich genau an diese richtete; und obwohl die Kinder einiger Mitglieder selbst die Schule verließen; und obwohl Herr Schotland über viele Jahre hinweg das Mitglied des Schulaufsichtsrates war.

Auch nach vier Monaten hörten die Eltern der am besagten Gymnasium aufgenommenen Kinder nicht vom Gemeindevorstand. Alle Kontaktgespräche mit dem Geschäftsführer, Herrn Klaphek, waren von Seiten der Eltern initiiert. Und man muss Herrn Klaphek dafür gerecht werden, dass er die fremden Versprechen zu erfüllen versuchte.

Kann ich denn behaupten, dass die von mir beschriebene Situation die wahre „respektvolle“ Haltung des Gemeindevorstandes seinen Mitgliedern gegenüber deutlich veranschaulicht? Des Weiteren wird klar, wie seinen Versprechen nachgegangen wird.

 

P.S. Verehrte Mitglieder des Vorstandes,

falls Sie die Kooperation mit dem besagten Gymnasium fortzuführen planen, wäre es sinnvoll, die Eltern der Viertklässler über die bestehenden Möglichkeiten im Voraus zu informieren und die Formalitäten zu klären.